Studentenleben in den Niederlanden

Studieren im Ausland? Weg von zuhause? Fremde Sprache? Allein in einer neuen Stadt? Das hört sich erstmal nach Abenteuer an und vielleicht auch ein bisschen furchteinflößend. Für mich war es beides.

An dieser Stelle eine kleine Vorstellung: Mein Name ist Lea, ich bin 20 Jahre alt und komme ursprünglich aus Ostfriesland in Norddeutschland. Eine Leidenschaft für Film und Fotografie, sowie ein gesundes Organisationstalent haben mich nach dem Abitur und einem Freiwilligen Sozialen Jahr auf Creative Business aufmerksam gemacht. Im September 2018 startete ich dann mein Studium an der NHL Stenden in Leeuwarden und bin inzwischen seit über einem halben Jahr in der friesischen Hauptstadt der Niederlande. Genug Zeit also, um im Studentenleben anzukommen.

Und genau dieses hat für mich turbolent angefangen. Nach der Entscheidung den nächsten Schritt meines Lebens nach Leeuwarden zu ziehen und der erfolgreiche Zimmersuche, kam der Start des Studiums schneller als erwartet; aber anstatt in langweiligen Einführungsvorlesungen zu sitzen, verbrachte ich meine erste inofizielle Studienwoche mit der Study Start Week.

Neben Erkundungstouren auf dem Campus und in der Stadt, Partys und Pub Crawls, war die erste Woche besonders wichtig um Kontakte zu knüpfen. Da ich Creative Business im Fast Track Programm studiere – meinen Abschluss also nach 3 statt 4 Jahren mache – war ich hauptsächlich mit anderen„Fast Trackern“ in einer Gruppe. Und dank dieser Gruppe hatte ich schon eine Sorge weniger, denn ich hatte mir vorher sehr viele Gedanken gemacht, keinen Anschluss zu finden. Diese Gedanken waren aber total umsonst, da es mit verschiedenen Workshops und Aktivitäten immer miteinander kommuniziert wurde.

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Als die „richtige“ Studienzeit dann anfing, kannte ich die anderen Leute in meinem Kurs schon ein bisschen und man hat sich somit gleich viel wohler gefühlt. Nach  der obligatorischen Einführungsvorlesung ging es dann erstmal in unsere Kursgruppen und wir haben zum ersten Mal unseren Atelier-Coach kennengelernt, der uns durch unser erstes Modul begleiten würde. Mit Teambuilding, Spagethi-Türmen und unserem ersten kleinen Projekt wurden wir in der ersten Woche an Creative Business und das Studiensystem Design Based Education herangeführt. Damit war für mich die Angst vor Überforderung nicht mehr ganz so groß wie zuvor. Immerhin waren alle Dozenten und Coaches hilfsbereit und haben sich Zeit für meine Fragen genommen.

Jedoch hat es etwas Zeit gebraucht, sich an das Studiensystem zu gewöhnen, denn was man sich in Deutschland unter Studium vorstellt, hat nichts mit der niederländischen Umsetzung zu tun.  An der NHL Stenden musste ich selbst aktiv werden, recherche bertreiben, mit meinen Fragen auf den Dozenten zukommen und ganz viel selbst planen. Keine Spur von Frontalunterricht, sondern Lernen in der Praxis und ganz viel präsentieren und Rückmeldungen sammeln. Bis ich dieses Prinzip verinnerlicht hatte, hat es schon ein paar Wochen gedauert. Heute würde ich es nicht mehr tauschen wollen.

Soviel zu den ersten Studienwochen. Die Herausforderung, sich quasi allein in seinem neuen Lebensmittelpunk zurechtzufinden bestand aber noch:

Das Wichtigste zuerst: Als internationaler Student wird man von den Niederländern wirklich super aufgenommen. Die Sprachbarriere war nie ein Problem und niederländisch ist gerade dem deutschen (und in meinem Fall dem plattdeutschen) sehr ähnlich, sodass man gerade wenn es um das Lesen geht absolut nicht aufgeschmissen ist und auch der Smalltalk an der Supermarktkasse kommt mit der Zeit ganz von allein. Generell hat die Umstellung für mich relativ gut geklappt. Das Jahr zuvor hatte ich schon allein gewohnt, sodass Heimweh kein allzu großes Problem mehr für mich war.

Als dann der Hochschulalltag anfing, wurde mir erst richtig bewusst wie wichtig mein Fahrrad hier wirklich war. In 10 Minuten am Campus, in 5 Minuten in der Innenstadt und noch weniger bis zum nächsten Supermarkt. Dort angekommen musste der Einkauf gut geplant werden, denn Rucksack und Fahrradkorb hatten nur eine begrenzte Kapazität. Was dann das Kochen anging, war die Motivation zuerst recht hoch, mit der Zeit und als ich mich dann mehr und mehr eingelebt und an den Unialltag gewöhnt hatte, wurde meine Küchenaktivität dann immer pragmatischer. Am Ende dann so ausgerichtet, dass ich mit einmal Kochen, mehrere Mahlzeiten füllen konnte oder das Übriggebliebene mit in die Uni nehmen konnte. Das WG-Leben hat sich nebenbei auch recht schnell eingependelt. Mit Rücksicht, etwas gesundem Menschenverstand und einem Putzplan sind wir bei uns im Haus, Problemen fast immer aus dem Weg gegangen. Trotzdem war es dann nach einem Jahr allein leben eine Umstellung, plötzlich mit drei anderen Mädels zusammen zu wohnen, die ich vorher noch nicht kannte. Viele Leute, die eine Küche benutzen wollen und viele Haare im Bad waren aber schon das Maximum an „Problemen“, denen ich bis jetzt begegnet bin.

Das Leben in den Niederlanden und mein Studium sind für mich dementsprechend seit letzem Jahr ein kleines sich vorsetzendes Abenteuer. Man entdeckt die Stadt immer etwas mehr, seien es Abkürzungen oder neue Möglichkeiten, sich mit Freunden zu treffen – Kino, Pool Bars und die Schlittschuhhalle sind hier nur einige Möglichkeiten, die Leeuwarden bietet. Nachdem ich im ersten Modul erstmal versucht habe, anzukommen und mich an das Studium zu gewöhnen, sah es im zweiten Modul schon ganz anders aus. Durch meine Arbeit im Student Council Creative Business (eine Organisation, die das Sprachrohr zwischen Studenten und Dozenten bildet) habe ich viele neue Leute kennengelernt und kann die Dinge, die ich im Unterricht lerne, gleich in die Praxis umsetzen und an echten Projekten und Veranstaltungen teilnehmen und arbeiten.

Natürlich wird es immer mal wieder stressig, gerade wenn es auf die Abgabedeadline oder die Testwochen zugeht und manchmal wünscht man sich in sein Elternhaus oder die eigene Wohnung zurück, wenn sich das Geschir in der Küche stapelt oder das Bad mal wieder gerade dann besetzt ist, wenn man unbedingt losmuss. Aber alles in allem überwiegt für mich einfach, die Freude an der Unabhängigkeit und die Neugierde im Studium in den Niederlanden an der NHL Stenden.

Von Lea Stöter

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